Bad Münder (ric). Soziale Not liegt oft im Verborgenen. Sie hat viele Gesichter. Armut kann jeden treffen, auch Menschen, die Arbeit haben. Hermann Wessling von der Sozialraum AG hat deshalb für Bad Münder angeregt, was in anderen Städten bereits erfolgreich betrieben wird: die Einrichtung eines Ladens, der sozial Schwache mit Lebensmitteln zum Nulltarif versorgt, einer so genannten Tafel. Wessling hat sich an Elisabeth Borcherding gewandt, die Leiterin des Amtes für Service und Soziales. Seine Intention: Das Amt möge ermitteln, wie groß die soziale Not vor Ort ist. "Lohnt sich die Einrichtung einer Tafel?", fragt Wessling. Er habe das Gefühl, dass eine Einrichtung auch in Bad Münder großen Zuspruch finden würde. Bis zum 19. Juni wird das Amt die Daten nun im Ausschuss für Bildung, Sport und Soziales vorlegen und zur Diskussion stellen. Ermittelt werden durch das Sozialamt betreute Personen und ALG-II-Empfänger. "Nach den Erfahrungen mit dem Umsonst-Laden ist es vermutlich sinnvoll, eine Tafel auch in einer kleineren Stadt wie Bad Münder einzurichten", sagt Monica Gräfin Adelmann, Vorsitzende des Umsonst-Vereins. Weil der von Ehrenamtlichen betreute Laden jedermann offensteht, hat Adelmann auch oft Kontakt zu sozial Schwächeren. Ihre Idee für die Betreuung einer Tafel: Das Einbinden von Ein-Euro-Kräften. "Allerdings sollte die Studie abgewartet werden, um den Bedarf einzuschätzen."
Auch in Bad Pyrmont hat kürzlich eine Tafel eröffnet. ,,Es gibt in unserer Stadt mehr Menschen mit geringem Einkommen als viele glauben", unterstreicht dort Marita Kalmbach-Ließ. Die Sozialberaterin der Arbeitslosen-Initiative Bad Pyrmont findet es auch wichtig, dass jeder Kunde pro Einkauf einen Euro, maximal zwei Euroals Gebühr bezahlt. ,,Das ist nicht nur zur Deckung der Unkosten nötig, sondern auch für die Würde der Kunden wichtig", betont sie. Seit vielen Jahren schon wird auch die Hamelner Tafel von ehrenamtlich Engagierten in der Kreisstadt betreut. Firmen, Bäckereien, Lebensmittelgeschäfte und andere Händler spenden Waren, die kleine Schönheitsfehler haben: Konservendosen, die etwas verbeult sind oder Brote vom Vortag, die viel zu schade sind, um weggeworfen zu werden. In Hameln hat die Tafel seit Jahren ein großes Stammpublikum - kinderreiche Familien, Menschen mit schmaler Rente, Obdachlose, Hilfsbedürftige. |